Südostasien – Eine Reise zu mir selbst

von | Apr 30, 2020 | Informationen, Reisen | 0 Kommentare

11.000km entfernt von meiner Heimat, unzählige emotionale Momente, viele interessante Menschen und Eindrücke, die mich ein Leben lang prägen werden – dieses Abenteuer könnte ein Buch füllen.

Ende November 2017 brach ich auf – von meinem kleinen Dörfchen in die Millionenstadt Bangkok, Thailand, um von da aus für fast vier Monate durch Südostasien zu reisen. Die ersten Tage waren alles andere als einfach, ich hatte schreckliches Heimweh und wollte am liebsten wieder nach Hause. Anfangs hatte ich einen Kulturschock – das erste Mal allein weit weg von zu Hause, in einer Millionenmetropole. Die Gerüche, die Menschen, das Gewusel der Großstadt – alles war neu und von allem war es zu viel. Ich hatte absolut keine Ahnung wie ich das aushalten soll. Es war schon so lange mein Traum diese Reise zu machen und so habe ich die Zähne zusammengebissen und die ersten tränenreiche Tage voller Heimweh auch überstanden. Als ich mich ein wenig eingewöhnt hatte, legte sich die Sehnsucht nach meinem Zuhause. Ich wollte dieses Abenteuer genießen, was mir zum Glück von da an auch gelang.

Die ersten Tage verbrachte ich in Bangkok von da aus ging es für mich auf die Elefanteninsel Koh Chang, wo ich für zwei Wochen in einem bunten Resort einer Südtirolerin wohnte. Koh Chang ist eine relativ ruhige Insel mit wunderschönen Stränden, kristallblauen Wasserfällen und atemberaubenden Sonnenuntergängen. Ab und an half ich im Cambodian Kids Care Center, einer Tageseinrichtung für Kinder aus Kambodscha deren Eltern nach Thailand geflüchtet sind. Da die Familien noch nicht regulär in Thailand sind, dürfen die Kinder auch keine offizielle Schule besuchen. Uan, der Gründer vom Cambodian Kids Care Center, kümmert sich liebevoll um die Kinder und schenkt Ihnen einen Ort zum Spielen. Auch unterrichtet er sie in Fächern wie Mathematik oder bringt ihnen die thailändische Sprache bei. Ein zweites Mal würde ich wohl länger dortbleiben, weil die anhänglichen, offenherzigen Kinder (im Alter von 3 bis 16) sehr schnell eine intensive Bindung aufbauen. Ich verbrachte nur ein paar Tagen mit den Kindern, schloss sie aber schnell in mein Herz. Der Abschied war traurig, für mich aber vor allem für die Kleinen. Auch wenn ich ihnen in diesen wenigen Tagen viele schöne Momente schenken konnte, ist es meiner Meinung nach wohl sinnvoller, wenn man sie über einen längeren Zeitraum begleiten würde.

Die erste Zeit auf Koh Chang war wundervoll, ich lernte viele nette Menschen aus aller Welt kennen, hatte Gesellschaft, wenn mir danach war und Heimweh verspürte ich nicht mehr. Durch die Gastfreundschaft der Thailänder fühlte ich mich schnell wie zu Hause. Als ich schon am zweiten Tag zu einer privaten Geburtstagsfeier eingeladen wurde, war ich überglücklich und konnte kaum glauben, was da grad passierte. Ich wurde so herzlich aufgenommen, dafür bin ich noch heute dankbar.

Nach 10 Tagen kam Tom, mein Freund und Lieblingsmensch, mich besuchen. Gemeinsam verbrachten wir einige Tage auf der Insel und reisten dann nach Ho Chi Minh im Süden Vietnams. Nach reizüberflutenden Tagen in der Großstadt gings in die gemütliche Bergregion um Dalat. Hier verbrachten wir zwei unvergessliche Tage und schlossen Freundschaft mit den beiden jungen Männern, bei denen wir wohnten. Wir waren begeistert von der ehrlichen Gastfreundschaft der Vietnamesen. Die Jungs, bei denen wir übernachteten, Ron und Neo, nahmen uns mit ihren Motorrädern mit und zeigten uns ihre Heimat. Fernab von touristischen Plätzen durften wir so eintauchen in die vietnamesische Kultur.

Von Dalat ging es weiter in den Süden nach Mui Ne, eine Hafenstadt, in der man die traditionellen, runden Fischerboote bestaunen kann. Das war wohl die rasanteste Busfahrt unseres Lebens! Auch dort verbachten wir einige sonnige Tage bis wir schließlich ins Mekong Delta und seinen schwimmenden Märkten fuhren.

Die letzten Tage verbrachten wir auf die bezaubernde Insel Phu Quoc. Die weißen Sandstrände dort sind unvergesslich schön, doch diese naturbelassene Schönheit wird man wohl nicht mehr lange genießen können. Leider ist auch dort der Massentourismus eingekehrt und die Insel ist gesäumt mit Baustellen, so groß wie Dörfer. Es stimmte mich sehr traurig mit unserem Roller durch diese schier endlosen Baustellen zu fahren, wofür viel natürlicher Lebensraum zerstört wurde. Wo einst weiße Sandstrände und grüne Palmen waren, steht jetzt in riesen Luxusresort namens Marriott. Bei einem zweiten Besuch wird Phu Quoc wohl nicht mehr das sein, was es war – eine kleine Insel, mit fast menschenleeren Stränden, wilden Affen und grünen Palmen.

Nach zwei tollen Wochen trat mein Freund die Heimreise an und nach einem tränenreichen Abschied in Bangkok machte ich mich auf in den Norden Thailands, wo ich unter anderem auch den Elephant Nature Park besuchte. Dazu liest Du später noch mehr. Mit dem Bus gings also von Bangkok über die alte Hauptstadt Ayutthaya nach Chiang Mai. Dort verbrachte ich eine Woche im heimeligen Greensleep Hostel, dass ich jedem Reisenden weiterempfehlen kann. Dort gibt es sogar Cornflakes zum Frühstück, die ein Stück Heimat für mich bedeuteten. Die Stadt hat mich vom ersten Moment an in ihren Bann gezogen. Ich fühlte mich pudelwohl, lernte auch dort viele liebe Menschen kennen und schloss Freundschaften, die ich bis heute pflege. Chiang Mai ist eine ruhigere Stadt, mit vielen kleinen Tempeln, leckerem Essen an jeder Ecke und sehr herzlichen Einwohnern. Ich hatte das Gefühl, dass die Gastfreundschaft in Südostasien keine Grenzen kennt.

Ich liebe die Natur und so freute ich mich umso mehr, dass ich bei einer mehrtägigen Trekkingtour durch den tropischen Regenwald dabei sein konnte. Fernab der Zivilisation wanderten wir durch die Wälder Chiang Mais, ohne Internet, ohne richtige Dusche und nur mit dem Allernötigsten ausgestattet. Diese Tage haben mein Sein deutlich geprägt und noch nie zuvor habe ich einen solch schönen Sternenhimmel gesehen, wie damals in den Bergen von Chiang Mai.

Nach meinem Abenteuer in der Natur ging es nach Pai, einem kleinen Bergdorf. Eigentlich wollte ich bloß zwei Tage dortbleiben, aber ich habe mich so in dieses Dörfchen verliebt, dass ich eine ganze Woche lang blieb. Pai ist ein zauberhafter Ort. Für mich ist es das Hippie-Dorf in den Bergen Thailands. Die Einheimischen waren so offenherzig, nahmen sich Zeit und freuten sich besonders, wenn man sich für ein kurzes Gespräch zu ihnen setzte. Pai war zwar ein sehr touristischer Ort, doch hatte ich niemals das Gefühl, dass sich der Tourismus negativ auswirkt. Die Partys waren ruhig und entspannt, eine besondere Atmosphäre. So saßen wir am Lagerfeuer, währen eine Live Band bis in den späten Morgenstunden Lieder spielte. Pai war wundervoll. Dieses besondere Dörfchen ist und bleibt einer meiner absoluten Lieblingsorte. Die letzte Woche im Norden Thailands habe ich im Elephant Nature Park verbracht, den ich jetzt meinem Herzensprojekt little lights unterstütze. Hier erfährst du mehr über dieses spannende Abenteuer.

Nach meiner Zeit in Thailand reiste ich in ein Land mit einer traurigen Geschichte, Kambodscha (Buchtipp: Der weite Weg der Hoffnung – Loung Ung). Eine Woche verbrachte ich in Siem Reap, wo ich die typischen Touristen-Attraktionen besuchte, wie beispielsweise die riesige Tempelanlage von Angkor Wat. Mein erster Besuch war leider sehr enttäuschend, denn die Anlage war total überlaufen und es tummelten sich unzählige Touristen vor den beindruckenden Bauten.  Trotz Verbot kletterten einige für das beste Fotomotiv auf die Ruinen und auch die Affen wurden fleißig mit Süßigkeiten gefüttert. Ich habe mir den Besuch definitiv anders vorgestellt – vor allem die vielen Kinder, die in den Tempeln Dinge verkauften, machten mich traurig.

So entschloss ich, am nächsten Tag über die Mittagsstunden nochmal dorthin zu fahren und dieses Mal war die Erfahrung eine ganz andere. Es war zwar heiß und trocken, aber es waren so gut wie keine Touristen dort. Endlich konnte ich die Schönheit und die besondere Atmosphäre genießen. In den Tempelanlagen versuchen viele der ärmeren Schicht ihr Geld zu verdienen. Sie verkaufen selbstgemachte Dinge, spielen Musik oder kochen in kleinen Straßenküchen. Kambodscha leidet noch sehr unter den Auswirkungen des Bürgerkriegs zwischen 1967 und 1975. Ich habe bewegende Gespräche mit Einheimischen geführt, die sehr offen über diese schreckliche Zeit berichteten. Für mich schien Kambodscha weitaus ärmer zu sein als Thailand, wo durch den Tourismus bereits mehr Wohlstand eingekehrt ist.

Auch in Kambodscha ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle, doch auch hier gibt es dunkle Schattenseiten. Leider zieht es auch viele Sextouristen nach Kambodscha, die oftmals auch vor Kindern keinen Halt machen. Ich finde es wichtig auch über dieses Thema zu schreiben, weil es mir persönlich sehr nahe ging und ich es jeden Tag erleben konnte. Gerne kannst Du dir meinen Artikel dazu hier durchlesen.

Eine ganze Woche verbrachte ich im OBT- Organisation for Basic Training. Es handelt sich dabei um eine gemeinnützige Organisation, die mit verschiedenen Aktionen ein Dorf in der ländlichen Gegend von Kampong Cham unterstützt. Meine Woche im OBT hat mich sehr geprägt und vor allem hatte ich Zeit, sehr viel zu beobachten und in den Alltag der Einheimischen einzutauchen. Ich wohnte im typischen Bambushaus meiner Gastfamilie und jede Nacht besuchte mich ein flauschiges Kätzchen, das wohl merkte, dass ich manchmal einsam war. Mehr zu meiner Zeit dort liest du hier.

Die letzten zwei Wochen meines Südostasien-Abenteuers verbachte ich in Indonesien, dem weltgrößten Inselstaat. Ich flog nach Bali und fuhr von da aus mit einem Boot nach Gili Meno, eine der drei Gili-Inseln. Auf Gili Meno fühlte ich mich vom ersten Tag an wohl. Es fühlte sich wie „heimkommen“ an. Eine kleine Insel mit einer Fläche von nur 15 km², kristallklaren Wasser und weißen Sandstrand. Traumhaft! Die Zeit hier werde ich immer in positiver Erinnerung behalten. Ich habe tiefe Freundschaften zu Einheimischen geschlossen, die bis heute anhalten. Vor allem Chocolate, ein Junge der Bungalows vermietet, habe ich sehr in mein Herz geschlossen. Chocolate, war damals 25 Jahre alt und ein sehr herzlicher zuvorkommender junger Mann. Ich übernachtete in einem seiner Bungalows und wir verbachtet viel Zeit miteinander. Immer wieder begegneten wir uns auf dieser kleinen Insel und abends kam er mich jeden Tag besuchen, wir saßen auf dem kleinen Balkon, aßen Kekse und unterhielten uns. Chocolate erzählte mir viel von seinem Leben und ich erhielt Einblick in eine komplett andere Lebenswelt. Da Chocolate bis heute ein guter Freund für mich ist und ich durch die Gespräche mit ihm etwas Wunderbares gelernt habe, widme ich ihm einen eigenen Artikel: „Ein Insel-Junge namens Chocolate“

Nach meiner Zeit in Indonesien ging es für mich wieder in meine alte Heimat. Ich bin so unendlich dankbar für meine Zeit in Südostasien. Nach zweieinhalb Jahren schaffe ich es endlich, das Erlebte in Worte zu fassen. Es vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht an diese wundervolle Zeit denke. Diese Erfahrung hat mich geprägt und ich bin so froh, dass ich sie machen durfte. Es war nicht immer einfach, ich habe Dinge gesehen, die mich sehr traurig machten, ich habe oft geweint und die Armut und Ungerechtigkeit hat mich oft wütend gemacht.

Aber gerade deshalb habe ich so viel gelernt. Nicht nur für mich, sondern auch für meine Mitmenschen. Meine Denkweise wurde neu programmiert und ich bin heute eine zufriedene und dankbare junge Frau. Durch diese Reise ist mir bewusst geworden, wie privilegiert ich bin, wie reich wir sind. Mir ist auch bewusst geworden, dass wir Verantwortung dafür tragen, wie es den Menschen im globalen Süden geht. Mein Handeln hat Auswirkung auf die Lebensumstände anderer. Mein Handeln hat Auswirkung auf die Natur – es hat Auswirkung auf die Welt.

little lights soll einen kleinen Beitrag leisten, um lokale Projekte zu unterstützen, die Mensch und Tier helfen. Mir ist bewusst, dass dadurch die Armut noch lange kein Ende nimmt. Aber ich weiß auch wie wertvoll es ist, jemanden ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und durch Nächstenliebe ein paar Stunden Sorgenfreiheit zu schenken.

Es sind die kleinen Dinge, die Großes bewirken können. Ich bin Dir von Herzen dankbar, dass Du Dir die Zeit genommen hast, diesen Artikel zu lesen. Jedes noch so kleine Licht ist wertvoll – ich freue mich von Herzen, wenn du little lights unterstützt.

„Viele kleine Leute, in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Erde verändern.“

In Liebe,

Sabrina

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