„Ein Buch, ein Stift, ein Kind und ein Lehrer können die Welt verändern.“

von | Apr 30, 2020 | Informationen, Reisen | 0 Kommentare

Meine Zeit im Chiro Village

Während meiner Zeit in Kambodscha verbrachte ich eine ganze Woche im Chiro Village bei einer tollen Organisation namens OBT (Organization for Basic Traininig).

Ich lebte bei einer Familie in einer typischen Bambusshütte. Auf zwei Stöcken spielte sich das gesamte Familienleben ab – der untere, offene Stock diente als Abstellkammer und Garage für die Motorräder und Kühe, im oberen Stock schlief die gesamte Familie. Die „Zimmer“ wurden durch Vorhänge abgegrenzt und geschlafen wurde auf den für Asien typischen harten Matratzen. Gekocht wurde im Freien und gewaschen per Hand. Von Anfang an fühlte ich mich wohl in dieser ungewohnten Umgebung und es sollte eine unglaublich spannende Woche werden.

Die Organisation wurde 2007 von Sophal Pot ins Leben gerufen und 2009 wurde diese von der Regierung offiziell als lokale NGO (gemeinnützige Organisation) anerkannt.

Ziel des Projektes ist es, dem Dorf ein langfristiges Einkommen zu sichern und, wie der Name schon sagt, den Kindern Bildung zu ermöglichen. Im Chiro Village wird den Dorfbewohnern beigebracht, wie man Honig anbaut, wie aus Kokosnüssen schöne Deko zum Verkauf entsteht oder wie man einen Bungalow und ein Restaurant führt. Mittlerweile ist das kleine Dorf gut besucht, vor allem von Touristen, die Abgeschiedenheit und Ruhe suchen. Diese finden sie in der Organisation. Hier geht es nicht nur darum, den Touristen einen möglichst erholsamen Aufenthalt zu ermöglichen.

Im Chiro Village stehen die kleinsten Erdenbürger im Mittelpunkt. Die OBT ermöglicht den Kindern in mehreren Klassenräumen Bildung: Mathematik, EDV, Englisch und Musik stehen auf dem Stundenplan. Zudem werden sie auch auf die Aufnahmeprüfung einer weiterführenden Schule im Bereich der Gastronomie vorbereitet. Jedes Jahr dürfen einige glückliche Kinder, dank eines Stipendiums, diese Schule besuchen und dort eine Ausbildung absolvieren. Den Kindern wird vermittelt, dass Bildung sehr wichtig ist, dass es eine Chance für ein glückliches Leben und einen guten Job ist. Mittlerweile gibt es auch einen Kindergarten, wo schon die Allerkleinsten betreut werden.

In der OBT arbeiten viele Freiwillige in verschiedenen Bereichen. Einige unterrichten die Kids, andere arbeiten mit den Erwachsenen im Handwerksbetrieb, der Imkerei oder sie entwickeln ein Verfahren, um aus Plastikmüll Ziegelsteine herzustellen. Ich habe im Handwerksbetrieb geholfen und dort mit Kokosnüssen Dekoration, vor allem Lampen, gebastelt. Anfangs war es gar nicht so einfach, den beiden Männern zu beweisen, dass ich als Frau sehr wohl handwerkliches Geschick habe. Schnell lohnte sich mein Einsatz und ich konnte meine Handwerkskollegen überzeugen. Ich war erstaunt, wie viel harte Arbeit von der Ernte der Kokosnuss bis zur Fertigstellung der Lampe nötig ist.  

Ich hatte viel Zeit die Bewohner bei ihrem alltäglichen Leben zu beobachten, dabei konnte ich viel lernen – auch über mich. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass die Bewohner nachhaltig davon profitieren. Ihnen werden Wege aufgezeigt, wie sie langfristig Geld verdienen können, um so irgendwann auf eigenen Beinen zu stehen. Den Kindern wird Bildung ermöglicht, die ihnen den Weg in eine erfüllte Zukunft ebnen soll. Durch die Touristen kommen die Kinder immer mehr mit der englischen Sprache in Kontakt und können diese vertiefen. Fremdsprachen sind auch in Kambodscha bei der Jobsuche von Vorteil, vor allem im Tourismussektor.

Meine Woche im OBT war sehr emotional. Ich habe sehr inspirierende Menschen kennengelernt. Stundenlang saßen wir am Ufer des Mekong und erzählten uns Geschichten über Gott und die Welt. Die Landschaft rund um das Chiro Village ist wunderschön – endlose Weiten und eine unbeschreibliche Ruhe.

Die Zeit in Kambodscha war oft auch schwierig und aufwühlend für mich. Die Armut und die vielen bettelnden Kinder haben mich tief berührt. Ich habe vor allem die Kids in der OBT ins Herz geschlossen. Besonders die jüngste Tochter meiner Gastfamilie, die immer wieder zu mir ins Bett krabbelte. Wir schauten gemeinsam Kindersendungen auf meinem Handy, sie durchstöberte mit voller Begeisterung meine Kosmetiktasche oder sie fragte mich ob ich sie zum Duschen begleiten kann, weil eine große Spinne im Badezimmer war. Tobias, ein freiwilliger Helfer, hat über die Kleine ein wundervolles Buch verfasst.

Trotzdem war ich in dieser Woche manchmal einsam, weil ich dieses Leben auf dem Land und ohne jegliche Privatsphäre nicht gewohnt war. Ein kleines, flauschiges Kätzchen merkte das wohl, und so kam sie mich jede Nacht besuchen und schlief am Fußende meiner Matratze…

Organisationen wie die OBT, ermöglichen den Menschen ein nachhaltiges Einkommen. Damit sollen Dörfer, wie das Chiro Village, Schritt für Schritt der Armut entkommen. Durch Bildung wird den Kindern der Weg in eine bessere Zukunft geebnet.  

Hier gehts zur Facebook-Seite: OBT – https://www.facebook.com/pg/obtchiro/

Eines meiner Lieblingsbilder, aufgenommen im Chiro Village. Es zeigt das mühsamen, bescheidene Leben auf dem Land und im Hintergrund sieht man die moderne Stadt.

„Ein Buch, ein Stift, ein Kind und ein Lehrer können die Welt verändern.“ – Malala

In Liebe,

Sabrina

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