Mein hochsensibles ICH – wie das Wissen darüber mein Leben verändert hat!

von | Jun 10, 2020 | Informationen, Spiritualität | 0 Kommentare

Ich wurde von Martina Nachbauer dazu eingeladen einen Gastbeitrag für ihren Blog zu schreiben. Martina ist Coach für feinfühlige Frauen. Auf ihrer Homepage Wenderock veröffentlicht sie immer wieder spannende Artikel für hochsensible Frauen. Es hat mich so sehr gefreut für sie zu schreiben und über meine Erfahrungen zu berichten. Es ist schön zu wissen, dass meine Worte viele andere feinfühlige Frauen berühren werden. Wenn Du das liest, selbst nicht hochsensibel oder ein Mann bist, dann klick nicht weg – der Beitrag kann auch für Dich sehr interessant sein 😉

Viel Spaß beim Lesen!

Ich sitze in meinem Garten und schreibe voller Freude diesen Artikel. Mein Garten ist einer meiner Kraftorte, denn wie viele andere hochsensible Menschen brauche ich viel Zeit für mich. Ich ziehe mich gern zurück, um Energie zu tanken. Die Sonne scheint mir ins Gesicht, ich höre die Vögel zwitschern und Kinder toben auf dem Spielplatz. Ich beobachte die Wolkenformationen, die am Himmel über mir hinwegziehen. Ich liebe die Natur. Immer schon fühlte ich mich wohl, wenn ich draußen war und meine Seele baumeln lassen konnte.

Meine Kindheit als Hochsensible

Ich hatte eine schöne Kindheit, doch meine Gefühlswelt verwirrte mich manchmal. Ich wusste nichts von meiner Hochsensibilität und so war es für mich und auch für meine Eltern nicht leicht. Eine depressive Phase mit 8 Jahren konnte ich mir genauso wenig erklären wie meine Eltern. Warum ich damals nicht schlafen konnte und ich meine Mutter nicht mehr zur Arbeit gehen lassen wollte – eine richtige Erklärung dafür gab es nicht. Ich fiel mit 8 Jahren in ein Loch und kam nur schwer wieder raus. Hätten wir damals schon von meiner Hochsensibilität gewusst, wäre vieles einfacher gewesen.

Ich war als Kind schon gerne allein, brauchte keine Spielkameraden oder verbrachte viel Zeit mit meinen Haustieren und verabscheute Geburtstagsfeiern und Menschenansammlungen. Ich war nie introvertiert, sondern genoss auch die Zeit mit meinen Freunden, aber ich brauchte immer wieder Zeit für mich – Zeit, um mich auszuruhen. Als Kind war das kein Thema für mein Umfeld, doch ab der Pubertät schienen meine Mitschüler immer weniger Verständnis dafür zu haben. Sie konnten nicht nachvollziehen, warum ich allein sein wollte. Deshalb habe ich mich einfach angepasst und versucht so zu sein wie die anderen Jugendlichen. Meine Gefühlswelt und meine Wahrnehmungen behielt ich für mich.

Meine Jugend als Hochsensible

Natürlich funktionierten Beziehungen zu Jungs nicht, weil ich früher oder später total unglücklich war. Ich habe mich selbst verleugnet und war dadurch oft genervt von mir. Als ich mit 19 von meiner Hochsensibilität erfuhr, fiel mir eine große Last vom Herzen. Ich erzählte meinem damaligen Freund davon, der jedoch kein Verständnis dafür hatte. Diese Beziehung scheiterte anschließend.

Nach der Erkenntnis über meine Hochsensibilität, machte für mich plötzlich vieles einen Sinn. Ich wusste nun, warum ich mich manchmal andersartig fühlte.

Seit diesem Tag sind 5 Jahre vergangen und bin mir meiner Besonderheit bewusst – und genieße es. Wenn ich weinen muss, dann weine ich. Und wenn mich etwas berührt, dann zeige ich es. Wenn ich allein sein will, dann spreche ich es aus. Wenn ich müde bin, dann zieh ich mich zurück. Noch wissen nicht viele Menschen von meiner besonderen Sensibilität, aber das möchte ich gerne ändern. Ich glaube, es ist wichtig, dass die Gesellschaft für dieses Thema sensibilisiert wird. Für mich war es der Start in ein erfülltes, authentisches Leben.

Ich wünsche mir, dass auch viele andere hochsensible Menschen und deren Mitmenschen in dieser Erkenntnis ihre Befreiung finden. Rund 20 % der Weltbevölkerung sind hochsensibel. 20 % der Weltbevölkerung, die feinfühlig durchs Leben gehen. Doch nicht allen ist das bewusst. Für mich ist meine Hochsensibilität das schönste Geschenk – aber eben nur, weil ich darüber Bescheid weiß. Ich möchte, dass auch andere feinfühlige Menschen von ihrer Hochsensibilität erfahren und sich vom Gedanken befreien, „falsch“ zu sein. Mögen wir unser Sein dankbar annehmen und es mit all seinen Facetten leben.

1. Wie genau ist es dir gelungen die Hochsensibilität anzunehmen? Was hast du gemacht? Vor allem am Anfang, als es dir noch so fremd und neu war?

Als ich das erste Mal über Hochsensibilität gelesen habe, war es für mich wie eine Befreiung. Ich dachte, ich kann endlich so sein wie ich bin, weil es einen Grund dafür gibt. So einfach war es dann doch nicht. Ich habe fast drei Jahre gebraucht, um meine Sensibilität als Geschenk anzunehmen. Zwar habe ich sie vom ersten Tag an akzeptiert, jedoch habe ich sie nicht ausgelebt. Ich hatte Angst vor den Reaktionen meiner Mitmenschen.

Vor allem das Meditieren hat mir geholfen, mit meiner Sensibilität umzugehen. Durch die Meditation habe ich einen tieferen Zugang zu meiner inneren Welt bekommen. Gefühle, die ich verdrängt habe, sind hochgekommen. Ich habe mich sehr viel mit spirituellen Themen beschäftigt, was mir sehr geholfen hat. Das Wissen, dass viele Menschen so fühlen wie ich, hat mir Sicherheit und Vertrauen geschenkt.

Durch die Meditation habe ich auch erkannt, dass in mir ein Ort ist, der immer da ist. Es ist schwer, dass in Worte zu fassen. Ich habe diesen Ort in mir, an dem ich immer zurückkehren kann, wenn es im Außen wieder mal zu laut ist. Dieser Ort hilft mir, in meiner Mitte zu bleiben. Zudem habe ich erkannt, dass es ungemein wichtig ist, für sich und seinen Körper zu sorgen. Während meiner Reise durch Südostasien lernte ich von den Buddhisten „My body is my temple“, also mein Körper ist mein Tempel – mit diesem soll man achtsam und liebevoll umgehen.

So macht es mir jetzt beispielsweise nichts mehr aus, wenn mich jemand wegen meiner Vorliebe zu spirituellen Themen, Yoga und Meditation fragt, ob ich auf meinem „Esoterik-Trip“ bin. Früher haben mich solche Aussagen verletzt, heute lächle ich darüber. Ich lächle darüber, weil ich glücklich bin, durch meine Sensibilität diesen Zugang zu meinem inneren Licht zu haben und die Verbundenheit zur feinstofflichen Welt spüren zu dürfen.

2. Wie bist du am Anfang mit deiner Hochsensibilität umgegangen, als du sie entdeckt hattest?

Am Anfang habe ich meine Sensibilität zwar akzeptiert, sie jedoch nicht ausgelebt. Ich hatte Angst vor der Stigmatisierung der Gesellschaft. Meditation und Yoga halfen mir dabei, immer mehr so zu sein, wie ich bin. Mich auch immer mehr zu zeigen. Ich habe aufgehört mich anzupassen. Sicherlich war es nicht immer einfach und ich habe mir oft gewünscht, nicht hochsensibel zu sein. Ich habe aber auch gespürt, dass es nicht mehr „weggeht“ – es ist ja auch keine Krankheit, die behandelt werden kann. 😉

So habe ich es einfach hingenommen, all die Tränen und all die wundervollen Gefühle. All in.

„Heute bin ich sehr dankbar, dass ich dieses Geschenk angenommen habe.“

Sabrina Terzer

3. Was war dein AHA-Effekt? Wie hast du gemerkt, dass du hochsensibel bist?

Es gibt eigentlich kein konkretes Ereignis. Eher sind es viele verschiedene Erfahrungen, bei denen ich gemerkt habe, dass mein Umfeld anders reagiert als ich bzw. die Dinge ganz anders wahrnimmt. Im Kino bei traurigen Filmen habe ich geheult und andere hatten vielleicht nur Tränchen in den Augen – um ein banales Beispiel zu nennen.

Mein damaliger Freund trug seinen Teil dazu bei, weil er mich wieder einmal an einen Punkt brachte, an dem ich an MIR gezweifelt habe und dachte, dass wohl ICH das Problem bin. Er meinte immer, dass ich viel zu sensibel bin und andere Mädels wohl nicht so wären. Ich war an einem Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass er mich nicht so liebt wie ich bin und mich gerne anders hätte. Nur konnte ich nicht anders sein. So war das auch in meinen vorherigen „Beziehungen“.

Dann habe ich gegoogelt und bin auf den Begriff „hochsensibel“ gestoßen – sofort bin ich damit in Resonanz gegangen. Die Beziehung ist dann von meiner Seite beendet worden, weil ich mich nicht für ihn verstellen wollte – zudem hat er sich auch ein anderes Mädchen angelächelt (ZUM GLÜCK haha).

Die Erkenntnis über meine Hochsensibilität trug dazu bei, dass ich nach Südostasien aufgebrochen bin. Es hat mich schon sehr früh in die Ferne gezogen. Ich wusste Dank einer prägenden Begegnung mit einem Pater aus Uganda schon als Kind, dass ich später ärmeren Menschen helfen möchte. Ich war als Jugendliche schon fasziniert vom Buddhismus und als ich mich dann nach meiner Erkenntnis bewusst mit Meditation und Yoga beschäftigt habe, war für mich klar, dass ich nach Südostasien reisen will. Deshalb habe ich mich mit 21 Jahren dann ins Abenteuer Südostasien gestürzt. Dort habe ich mich intensiv mit Meditation und Yoga beschäftigt, gleichzeitig auch in kleineren sozialen Projekten mitgeholfen.

4. Wie genau gehst du heute damit um? Wie lebst du damit?

Heute bin ich sehr dankbar für meine Sensibilität. Ich habe in den letzten 5 Jahren viel daran gearbeitet, meditiert, Yoga gemacht und viele, viele Bücher gelesen. Ich war allein in Südostasien unterwegs und habe dadurch Zugang zum Buddhismus bekommen.

Damit will ich nicht sagen, dass jeder Yoga machen muss, um seine Sensibilität zu akzeptieren – doch ich denke Yoga und Meditation sind wertvolle Tools, um sich selbst besser kennenzulernen. Manchmal ist es schmerzhaft sich seinen Gefühlen zu stellen, aber es zahlt sich auf jeden Fall aus.

Heute mache ich regelmäßig Yoga und ich meditiere. Ich mache auch Kraftsport, um mich auszupowern und nehme mir die Zeit, die ich für mich und meinen Körper brauche. Dabei habe ich kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich mich zurückziehe oder Verabredungen nicht annehme, weil es mir „zu viel“ wird. Denn ich stehe zu meiner Sensibilität. Vor allem hat es mir geholfen mich mit Gleichgesinnten zu verbinden – über Social Media geht das ja bestens. Und ich habe mich von den Menschen distanziert, mit denen ich nicht auf einer Wellenlänge bin. Ich verbringe meine Zeit jetzt mit Menschen, die ich mag und die mir Energie geben und bin gerne mit positiven Menschen verbunden, mit denen ich tiefgründige Gespräche führen kann. Ich denke eine gesunde Abgrenzung ist sehr wichtig, vor allem für Hochsensible.

 5. Was ist an der Hochsensibilität das Geschenk für dich? Was davon kannst du wie für dich nutzen?

Eigentlich alles. Wenn man seine Hochsensibilität erstmal akzeptiert hat und diese auch auslebt, dann wird einem klar, dass das Leben immer neue Überraschungen bereithält. Ich stelle fest, dass sich mir immer mehr „Gaben“ zeigen, ich noch sensibler werde und die Welt noch intensiver wahrnehme. Am Anfang hat mir das Angst gemacht, doch jetzt ist es ein Geschenk. Erst vor ein paar Monaten habe ich bemerkt, dass ich die Anwesenheit von Seelen spüre. Die ersten Tage wollte ich das nicht wahrhaben, mittlerweile habe ich auch das akzeptiert. Bleibt mir auch nichts anderes übrig 😉. Ich habe keine Angst mehr, wenn ich spüre, dass jemand in meinem Zimmer steht. Denn ich begrüße dieses Wesen dann, bedanke mich, dass es mich besucht hat und schicke es zurück ins Licht.

Ich finde es schön, die Welt so intensiv wahrzunehmen. Es ist auch schön, meinem Partner auf diese Weise eine andere Welt aufzuzeigen. Zum Beispiel nimmt er auch die kleinsten Dinge, die mich Dank meiner Sensibilität sehr erfreuen, jetzt auch wahr. Ich teile eigentlich alles mit ihm und er ist sehr verständnisvoll. Ich gebe ihm vollen Einblick in meine Art, die Welt zu sehen. Sicherlich ist das manchmal anstrengend, aber ich denke es ist sehr wichtig, einen Partner an seiner Seite zu haben, der diese Sensibilität akzeptiert. Es geht nicht darum, dass andere Menschen mich verstehen, sie müssen sich nicht zu 100% in mich hineinfühlen, wahrscheinlich ist das auch nicht möglich. Es ist mir wichtig, dass ich mit meiner Sensibilität akzeptiert werde. Ein Geschenk ist es auch, dass ich gelernt habe mich von jenen Menschen zu distanzieren, die mir nicht guttun.

Meine Hochsensibilität lässt mich reifen…

Ich bin erst 23 Jahre jung, durch meine Sensibilität war ich aber immer schon irgendwie „weiter“. Mir ist klar, wo mich mein Weg hinführen wird. Ich kenne mich sehr gut und weiß, was mich glücklich macht. Auch das ist ein Geschenk.

So ist mir auch bewusst, was mich beruflich erfüllt. Ich würde auch behaupten, dass mein Herzensprojekt littlelights durch meine Hochsensibilität entstanden ist. Nach einer ergreifenden Begegnung mit einem Pater aus Uganda, wusste ich als Kind schon, dass ich einmal Menschen helfen will. Ich wusste damals schon, dass ich einen positiven Beitrag leisten will. Während meiner Zeit in Südostasien habe ich viel Armut gesehen und durch meine Feinfühligkeit habe ich diese auch sehr intensiv wahrgenommen. Daraus ist der Wunsch, mich für die Menschen und Tiere dieser Welt einzusetzen, noch größer geworden. Mit littlelights habe ich den Grundstein dafür gesetzt. Ich will als 80-jährige zufrieden auf mein Leben zurückblicken und sagen: “Es hätte nicht schöner sein können!“

6. Was ist deine Botschaft an all die Frauen da draußen, die gerade ihre Hochsensibilität entdecken und vielleicht noch Angst davor haben?

Wenn du Angst hast, dann nimm diese Angst dankbar an. Sie will dich nur behüten. Angst will uns immer nur beschützen. Manchmal aber so sehr, dass sie uns von etwas abhält oder wir uns klein machen.

Meine Botschaft ist: Sei stärker als deine Angst – überwinde sie. Es wartet das schönste Geschenk auf dich! Deine Hochsensibilität ist kein Zufall, es gibt einen Grund, warum genau Du so sensibel bist. Du hast ein Geschenk in Dir und die Welt wartet darauf. Die Welt braucht uns hochsensible Wesen mehr als je zuvor!

DANKE Martina, für dieses wundervolle Interview und die Möglichkeit für Dich zu schreiben!

Hier geht’s zum Original Beitrag: https://wende-rock.de/mein-hochsensibles-ich/

In Liebe,

Sabrina

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