Ich fühle was, was du nicht fühlst

von | Mai 18, 2020 | Informationen, Spiritualität | 0 Kommentare

„Das ist mir alles zuviel!“, dachte ich immer wieder, „Du bist doch nicht normal!“.  Als ich mit 19 auf das Thema „Hochsensibilität“ stieß, war es für mich wie eine Befreiung. Trotzdem dauerte es einige Jahre, bis ich diese Besonderheit als Geschenk annehmen konnte.

Zum ersten Mal beschrieben wurde das Phänomen der Hochsensibilität 1996 von der US-amerikanischen Psychologin Elaine Aron. Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern eine psychologische und neurophysiologische* Ausprägung, die sich einigen Experten zufolge bei etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung findet.

(*Neurophysiologie ist ein Teilgebiet der Physiologie, das sich mit der Funktionsweise des Nervensystems auseinandersetzt.)

Inzwischen gibt es viel Literatur zu dem Thema und auch einen auf Aron zurückgehenden Fragebogen, mit dem Psychologen Hochsensibilität erfassen können. Allerdings gibt es kaum aussagekräftige und methodisch einwandfreie Studien, die erklären können, inwiefern das Gehirn der Betroffenen Reize von außen anders verarbeitet als bei anderen Menschen. Beobachtet wurde außerdem, dass die Hochsensibilität viele verschiedene Facetten annehmen kann. So haben nicht alle hochsensiblen Menschen die gleichen Persönlichkeitsmerkmale.

Ich selbst habe vor 5 Jahren über meine Hochsensibilität erfahren. Damals dachte ich, wie viele andere Hochsensible, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich hatte oft das Gefühl anders zu sein als meine Mitmenschen, fühlte mich oft nicht verstanden. Häufig hörte ich Sätze wie „Sei nicht so sensibel!“ oder „Nimm es dir nicht so zu Herzen!“. Ich hatte selbst keine Erklärung dafür, warum ich so intensiv empfand. Mir war nicht klar, warum ich mich in Menschenmengen schnell überfordert fühlte, ich es hasste, wenn in meinem Umfeld gestritten wurde. Genau so wenig konnte ich mir erklären, warum ich manchmal ohne Grund traurig war und weinen musste. Ich war immer eine sehr offene Person, brauchte jedoch viel Zeit für mich. Ich war gerne allein und genoss die Ruhe.

Heute weiß ich über meine Hochsensibilität bescheid und kann sehr gut damit umgehen. In den letzten Jahren habe ich mich viel mit dem Thema beschäftigt, mich mit Gleichfühlenden verbunden und so meine Andersartigkeit akzeptiert. Mittlerweile empfinde ich es nicht mehr als Last, sondern sehe es als Geschenk, die Welt und das Leben so intensiv wahrzunehmen. Ich bin überzeugt davon, dass ich meine Feinfühligkeit nutzen kann, um für anderen Lebewesen da zu sein. Sicherlich ist es heute noch immer nicht einfach so empfindsam zu sein – aber wenn ich auf mich achte und mir ausreichend Zeit für mich nehme, kann ich ohne Einschränkung erfüllt leben. Ich besuche Konzerte, treffe mich liebend gerne mit meinen Freunden und bin nach wie vor sehr gesellig. Ich weiß aber auch, dass ich Zeit für mich brauche, um meine Batterien wieder aufzuladen – und diese Zeit nehme ich mir auch.

Es gibt viele Ansichten und Erklärungen über Hochsensibilität, eine allgemein gültige Definition gibt es allerdings nicht. Ich würde es in einfachen Worten so erklären: Jeder Tag bringt neue Reize in unsere Leben, die wir verarbeiten müssen. Reize wie Gerüche, Geräusche, Licht, aber auch Empfindungen, wie Gefühle und Energien, begleiten uns durch den Tag. Jedes Gehirn hat einen „Filter“ der nur bestimmte Reize durchlässt. Würde das Gehirn alle Reize durchlassen, führt das schnell zu einer Reizüberflutung – Hektik, Dauerstress und totale Erschöpfung wären die Folge.

Dieser Filter entspricht im Normallfall einem engmaschigen Sieb, der so einiges filtert und den Mensch vor der Überflutung schützt. Nun sind aber auch rund 20 % der Bevölkerung hochsensibel. Das bedeutet, dass bei diesen 20% der Filter eher grobmaschig ist und in etwa einem Nudelsieb entspricht. Ein hochsensibler Mensch nimmt also weitaus mehr Reize auf, als ein normal sensibler Mensch. Dann gibt es auch unter den hochsensiblen Menschen noch unterschiedliche Filter – manche habe sehr viele Löcher und manche weniger. Ich zum Beispiel nehme sehr viele Reize war, also würde ich sagen, mein Nudelsieb ist einer von der speziellen Sorte mit einigen besonders großen Löchern – mittlerweile funktioniert er aber wunderbar zum Kochen. 😉

Bevor ich über meine Feinfühligkeit erfahren habe, war ich sehr oft reizüberflutet und dachte, dass mit mir etwas nicht stimmt. Es gibt viele Wege seine Hochsensibilität zu akzeptieren und damit zu leben. Mir persönlich hat Meditation und Yoga sehr geholfen. Durch die Meditation habe ich gelernt in kurzer Zeit ruhig zu werden, mich zurückzuziehen und die Ruhe durch meinen Körper fließen zu lassen. Durch die kontrollierte Atmung konnte ich meinen überreizen Körper schnell „herunterfahren“ und wieder neue Energie tanken. Durch das Yoga habe ich eine Möglichkeit gefunden mich auszuklinken. Während einer Yogaeinheit bin ich ganz bei mir. Ich konzentriere mich auf meinen Atem und auf meinen Körper. So schaffe ich es, die Reize von außen für einige Zeit auszublenden. Meditation und Yoga ist für mich Wellness für Körper und Geist.

Falls auch Du die beschriebenen Situationen kennst, Dich über dieses Thema austauschen möchtest oder Dich einfach dafür interessiert, melde Dich einfach liebend gerne bei mir.

Zum Abschluss ein Zitat, dass meiner Meinung nach die Hochsensibilität sehr gut beschreibt:

„(…) Was anderen leid tut, tut hochsensiblen Menschen bereits weh.“  -Ernst Ferstl

Weitere Artikel zu diesem besonderen Thema folgen oder findest Du bereits hier.

In Liebe,

Sabrina

Beitragsbild @carolina-heza

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