Gastartikel von Maggy Gschnitzer – Umweltaktivistin

von | Okt 1, 2020 | Informationen, Nachhaltigkeit | 0 Kommentare

Maggy Gschnitzer ist Umweltaktivistin, Filmerin, Speakerin, Autorin und vieles mehr. Sie setzt sich aktiv für eine bessere Welt ein. Hält Vorträge über Themen wie Meeresschutz, Plastik, vegane Ernährung und erklärt auf sehr sympathische Weise, wie all diese Dinge zusammenhängen. In ihrem Gastartikel erklärt Maggy uns was passiert, wenn die Haie sterben. Sie erzählt von der Zeit in der sie für eine Sea Shepherd Kampagne in Südamerika war.

Wenn die Haie sterben

An die Spitze der Nahrungskette in den Ozeanen gelangen nur wenige Arten von Meeresbewohnern, eine dieser Top-Prädatoren sind die Haie. Sie werden nicht umsonst „Doktoren der Meere“ genannt. Haie fressen kranke und tote Tiere, halten die Populationen anderer Fischbestände und auch die Nahrungskette im Gleichgewicht, welche durch den Menschen sehr stark bedroht wird. In den letzten Jahren wurden viele Haiarten bis zu 90% dezimiert. Eine ungefähre Anzahl an 100 Millionen Haien sterben jährlich an Überfischung, Beifang und durch die Geldgier des Menschen.

Um das Bild zu verdeutlichen, welches durch diese drastische Dezimierung entsteht, gebe ich euch hier ein Beispiel: 

Stellt euch ein gesundes, lebhaftes Meer vor, wo viele verschiedene Meeresbewohner vorkommen, wie Rochen, Haie, Muscheln und viele andere Tiere. Rochen stehen auf dem Speiseplan von Haien. Durch die Überfischung und das wissentliche Ausrotten der Haie vermehren sich die Rochen, da ihr natürlicher Feind dezimiert wurde. Rochen fressen Muscheln, da es nun allerdings zu viele Rochen gibt, fressen diese alle Muscheln auf und müssen daher weiterziehen, um wo anders Nahrung zu finden. Nun gibt es in dem Gebiet, welches vorher aus Haien, Rochen, Muscheln und anderen Tieren bestand, nichts mehr. Wegen der wahnsinnigen Überfischung gibt es immer weniger Nahrung für alle Meereslebewesen. Wenn die Nahrung fehlt, sterben viele Tiere oder sie müssen sich auf die Suche neuer Jagdgebiete machen.

Zugleich findet durch die weltweit viel zu intensive Landwirtschaft und dessen Abwässer, die in das Grundwasser und somit schlussendlich ins Meer gelangen, eine Algenblüte statt, denn Düngemittel erledigen dort ihre Arbeit und, na ja, düngen. So kommt es, dass an diesen Orten durch die Überdüngung eine Massenvermehrung an Bakterien stattfindet, welche den gesamten Sauerstoff um sie herum aufbrauchen. Ohne diesen Sauerstoff im Meer, gibt es keine Möglichkeit zu überleben, wodurch Todeszonen entstehen. Das bedeutet, dort wo sich solche Todeszonen bilden, gibt es kein Leben im Meer.

Die Zusammenhänge unseres Lebensstiles sind enorm. Wenn wir begreifen, was unser täglicher Konsum so alles auslöst und wie weitreichend die Konsequenzen sind, können wir an jedem Tag bessere Entscheidungen treffen, denn: 
WENN DIE HAIE STERBEN, STERBEN SCHLUSSENDLICH AUCH WIR! 

Operation „Treasured Islands“ – eine Kampagne zum Schutz der Haie

Wie bewahrt man Haie vor dem Aussterben, vor Überfischung oder vor den Fischern, die sie nur ihrer Flossen wegen fangen und die Tiere ohne Flossen zum Sterben zurück ins Meer werfen, wenn Staaten, in denen diese Grausamkeiten stattfinden selbst an dem lukrativem Geschäft beteiligt sind?
Als Medien Offizier, Filmerin, Fotografin, Drohnenpilotin und Cutterin war ich für 7 Monate auf einem der Sea Shepherd Schiffe in Zentralamerika unterwegs, um mich mit meinen Kameraden für Haie einzusetzen. Diese Zeit war Teil der schwierigsten Kampagne, an der ich je beteiligt war. 

Für „Operation Treasured Islands“ starteten wir in Florida und navigierten Richtung Panama, wo die Kampagne für Haie nach der Durchquerung des „technischen achten Weltwunders“, dem Panamakanal, begann. Unsere Hauptziele waren die Inseln Coiba/Panama, Malpelo/Columbien, Cocos Islands/Costa Rica und die Galapagos Inseln/Ecuador. Dieses Gebiet nennt man den Galapagos Korridor, es weist eines der reichsten Biodiversitäten der Weltmeere auf. Diese unglaubliche Vielfalt wurde in einigen Zonen für „geschützt“ erklärt, wird jedoch weiterhin illegal von Fischern genutzt. Um diese Nationalparks vor dem illegalen Fischfang zu bewahren, boten wir den Parkrangern unser Schiff, die Crew und unsere Hilfe an. Durch Patrouillen sollten wir illegale Fischer aufspüren, welche dann durch Geldstrafen vom Schutzgebiet fern bleiben. Teilweise wurde uns das Patrouillieren jedoch verweigert, was für uns keinerlei Sinn ergab.

Mit etwas Zeit und versteckten Kameras verstanden wir dann allerdings schnell die Hintergründe dieses Verbotes: die Staaten selbst sind zu einem großen Teil an dem Geschäft mit Haifischflossen beteiligt. Dazu kommt, dass die Haikörper auch noch zum Schmuggeln von Drogen verwendet werden, da diese somit von Suchhunden nicht aufgespürt werden können, was ein weiteres Interesse an toten Haien mit sich bringt. Haie zu schützen kann also nicht nur Probleme mit der Haifischmafia verursachen, sondern du kriegst es womöglich auch mit der Drogenmafia zu tun.

Zu der Flossenproblematik und dem Nutzen der ausgehölten Haikörper für den Drogenschmuggel, kommt noch das Interesse an Babyhaien für den Fischmarkt hinzu. Auf vielen Fischmärkten wird das Fleisch von Babyhaien verkauft. Somit werden ganze Generationen von Haien innerhalb weniger Tage ausgelöscht. Einige Haiarten können sich erst ab einem Alter zwischen 10 und 15 Jahren vermehren und bringen dann nur alle 2 Jahre wenige Junge zur Welt. Wie soll sich die Haipopulation halten, wenn wir die Jungtiere auslöschen, bevor diese sich überhaupt vermehren können? 

In den 7 Monaten der Haikampagne lernte ich sehr viel dazu. Das Sprichwort „Geld regiert die Welt“ wird mir immer wieder neu bewusst, jedoch gab es auch die verschiedensten Momente, an denen ich nicht am Menschen zweifelte, sondern auch erkannte, wie viele sich mit all ihrer Kraft und Zeit für eine bessere Welt einsetzen. Dieser Einsatz vieler Menschen hilft mir dabei, die Hoffnung niemals zu verlieren. 
Wir können der Natur Zeit verschaffen sich zu erholen, wenn wir jetzt handeln. 

Maggy Gschnitzer

Hier geht’s zu Maggy’s Homepage, schau gern mal rein! 🙂

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.