Gastartikel: „Sie schaut mich an und ich spüre einen Schmerz tief in ihrer Seele – Ihre Augen sprechen Bände“ –

von | Jun 5, 2020 | Informationen, Nachhaltigkeit, Reisen | 0 Kommentare

Autorin: Marina Holland von Las Bellas Artes – Photography, Art and More erzählt von ihrem emotionalen Besuch im Elephant Nature Park Thailand.

Mein Name ist Marina, ich bin 37 Jahre jung und Mutter einer zweijährigen Tochter. Mein Herz schlägt für die Fotografie, Reisen und Yoga. Das Reisen veränderte meinen Blickwinkel auf die Welt. Eine Geschichte davon möchte ich hier bei littlelights mit Dir teilen. 

Mein Mann und ich befinden uns auf einem kleinen Markt in Krabi, dort sind nur ein paar Sitzgelegenheiten und Essensstände für die Touristen aufgebaut. In den letzten fünf Wochen haben wir einige Inseln in Südthailand erkundet und bewegende Begegnungen mit Menschen sowie ein Land voller Herzlichkeit und Freundlichkeit erlebt. Nun stehen die Nachbarsländer Laos, Vietnam und Kambodscha auf unserer vier monatigen Reiseroute.

Ganz besonders freue ich mich auf Chiang Mai im Norden Thailands, wo wir ein paar Tage verbringen wollen, bevor es an die Laotische Grenze geht. Während wir uns mit Freunden, die uns für einige Tage auf der Reise begleiten, unterhalten, höre ich laute Musik. Ein Mann taucht plötzlich in der Menge auf, in der Hand hält er eine Kette. Hinter ihm läuft ein kleiner Elefant. Das andere Ende der Kette befindet sich um seinen Hals und der Mann zieht den jungen Elefanten hinter sich her. Die Augen des Tieres sind weit aufgerissen, man sieht ihm deutlich an, dass es Angst hat und die Musik für ihn viel zu laut ist. Seine Bewegungen sind erzwungen und es wirkt sehr eingeschüchtert. Wie gelähmt starren wir auf die Beiden, als sie an uns vorbei ziehen. Vermutlich möchte der Mann auf den größeren Markt ganz in der Nähe. Dort ist mehr los und viel mehr zu holen.

Als der Mann weg ist, geht das Leben auf dem kleinen Markt weiter, schnell ist das Ereignis vergessen. Doch der traurige Blick des Elefanten geht mir tagelang nicht mehr aus dem Kopf. Vielleicht ist auch das der Grund, warum wir uns ein paar Tage später in Chiang Mai zu einer Tagestour in den Elephant Nature Park entschließen. Viel wissen wir allerdings nicht über den Park, außer, dass er verletzten und misshandelten Elefanten ein neues und vor allem ein sicheres Zuhause bietet. Bei der Buchung der Tour weist man uns darauf hin, dass dort auf keinen Fall auf den Tieren geritten wird. Dabei wollte ich schon immer mal auf einem Elefanten reiten. Die Urlaubsbilder, die ich von anderen aus dem Internet kenne, sie wirken faszinierend und abenteuerlich. Als wäre das Ganze ein riesen Spaß für das Tier und den Menschen. Verpasse ich da nicht eine tolle Gelegenheit?

Im Park angekommen, werden wir etwas herum geführt. Das Gelände ist riesig und man beherbergt hier neben den über 80 Elefanten auch Wasserbüffel, Katzen und Hunde. Unser Guide zeigt uns die Unterkünfte der Tiere, die Unterkünfte der Volunteers (man kann hier auch freiwillig einen Aufenthalt buchen und bei der Pflege der Tiere mithelfen) und die großen Futterlager. Dann führt er uns in einen dunklen Saal und bittet uns, einen Film über die Entstehungsgeschichte des Parks anzusehen. Der Kurzfilm rührt mich zu Tränen, denn er zeigt auch, was man mit einem Elefanten alles anstellen muss, um ihn zu zähmen.

Wir vergessen oft, dass ein Elefant zu den wilden Tieren gehört und ein unglaublich soziales und sensibles Wesen ist. Man sagt sogar, ein Elefant vergisst nichts. Auch wissen die meisten Touristen nicht, dass man seinen Willen brechen muss, um auf ihm reiten zu können. Auch mir ist diese Tatsache nicht bewußt. Schon gar nicht, unter welchen Umständen dies geschieht.

Wie das passiert? Der Elefant wird in eine sogenannte „Crush Box“ eingequetscht, er ist dabei von hohen Stöcken umzingelt und wird mit einer spitzen Waffe, ähnlich einem Eispickel, von allen Seiten „bearbeitet“. Gestochen, gehauen, misshandelt. Immer und immer wieder. Die traditionelle Methode nennt man „Phajaan“ – das Brechen.

Viele Tiere wehren sich oft wochenlang. Elefanten haben einen sehr starken Charakter, doch kein Tier oder Mensch der Welt würde diese Art der Folter psychisch (und physisch) unbeschadet überstehen. Viele der Tiere weinen dabei, kämpfen wie besessen dagegen und resignieren irgendwann doch. Dann ist das „Brechen“ vollzogen, der Elefant akzeptiert den Menschen als das dominantere Wesen. Dabei verliert er jegliche Lebensfreude und seine Freiheit als Wildtier. Eine Freiheit, für die er geboren wurde und die ihn ausmacht. Dieses „Verfahren“ wird nicht nur in Thailand, sondern auch in anderen asiatischen Ländern ausgeübt.

Der Film zeigt auch, wie Lek Chailert, die Gründerin des Parks, entgegen aller sozialen und politischen Widerstände diesen Park aufgebaut und mit Spendengeldern zu einer Heimat vieler geretteter Tiere gemacht hat. Für Ihren Einsatz bekam sie jahrelang viele Morddrohungen und machte dennoch weiter. Man darf nicht vergessen, das Zähmen von Elefanten gehört zu einer langen Tradition in Thailand. Die Tiere waren früher Nutztiere, die bei der Waldarbeit eingesetzt wurden, um die schweren Baumstämme zu schleppen. Seitdem die Waldrodung in Thailand verboten wurde, wurden die Elefanten zu einer attraktiven Touristenattraktion. Tiere, die ihr ganzes Leben lang elend in einem Zirkus oder als Attraktion auf so einem Markt, wie auf Krabi, eingehen. Oder Tiere, die sinnlos an einer Kette in einer Tempelanlage rumstehen und sich kaum einen Meter bewegen können, nur weil der Tempel dadurch einen heiligen Namen trägt und Touristenmassen und gläubige Anhänger anlockt (auch dieses Erlebnis im sogenannten „elephant temple“ auf Sri Lanka werde ich nicht mehr vergessen). All diese Tiere versucht Lek seit fast 30 Jahren zu retten und ihnen ein sicheres Zuhause in dem Elefantenschutzgebiet zu ermöglichen. Ihr Film „Love & Bananas“, der sich mit dem Thema auseinandersetzt, sorgte weltweit für Anerkennung.

Wir verbringen den Tag damit, eine Elefantenherde kennen zu lernen, indem wir sie aus sicherem Abstand füttern. Unser Guide erklärt uns ihren Alltag und die Verhaltensweise der Tiere. Auch weist er uns darauf hin, worauf wir achten und welche Gesten wir vermeiden sollen. Erst nachdem wir uns etwas „aneinander gewöhnt“ haben, dürfen wir mit auf das offene Gelände. Wir spazieren den Tieren hinterher, beobachten sie und sie uns. Nach einiger Zeit erreichen wir eine Wasserstelle, an der wir die Tiere mit Wasser abspritzen. Bei den heißen Temperaturen scheint es eine Wohltat für sie zu sein.

Wer mag und sich dabei wohl fühlt, kann den Tieren bei der nächsten Fütterung etwas näherkommen und wenn sie es zulassen, auch streicheln. Es ist ein magischer Moment für mich, den ich niemals vergessen werde. Die alte Elefantendame, die auf mich zukommt und von der ich mich ausgesucht fühle, schnurrt wie ein Kätzchen, als ich meine Hand auf ihren großen Rüssel lege. Meine Hand vibriert. Es macht mich glücklich, ihre Freude über die Streicheleinheit zu spüren.

Sie schaut mich an und ich sie, ich spüre einen Schmerz tief in ihrer Seele, aber auch, dass es ihr nun gut geht. Ihre Augen sprechen Bände.

Am Ende unserer Tour lernen wir einen Mahout kennen, einen Wegbegleiter des Elefanten, der eine tiefe Freundschaft und Verbindung zu seinem Tier pflegt. Und tatsächlich wirken er und sein Tier miteinander verbunden. Jeder Elefant in dem Park hat so einen Wegbegleiter, der sich um sein Tier kümmert.

Kurz bevor wir den Park verlassen, stoßen wir auf Lek Chailert, die die Essensausgabe kontrolliert. Eine winzige und sympathische Frau mit ganz viel Energie. Ich freue mich über diese Begegnung und würde mir wünschen, all ihre Schützlinge könnten wieder zurück in ihre Heimat und selbstständig in der Wildnis leben. Es ist wundervoll, dass sie ihr Lebenswerk den Elefanten widmet und die Welt ein Stückchen weit besser macht.


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