Wieder da und doch nicht hier

von | Mrz 15, 2022 | Informationen, Weltenbummler | 0 Kommentare

Das Buch von Uta-Caecilia Nabert Wieder da und doch nicht hier“ erzählt über die Erfahrungen von Reisenden nach ihrer Rückkehr. Reisende, die mehrere Monate oder Jahre unterwegs waren. Menschen, die ihren Rucksack gepackt haben und aufgebrochen sind in ferne Länder und Kulturen. Sie alle haben verschiedenes erlebt, doch eines haben sie alle gemeinsam: die Rückkehr in die Heimat, die alles andere als einfach war. Die Geschichten dieser Menschen inspirieren mich diesen Artikel zu schreiben.

Auch ich war Reisende und somit auch Rückkehrende.

Mittlerweile sind vier Jahre vergangen, seit ich von meiner mehrmonatigen Asienreise zurückgekommen bin. Auch für mich war die Rückkehr alles andere als einfach.

Ich freute mich riesig, als ich im März 2018 in Indoniesen in den Flieger stieg und es wieder Richtung Heimat ging. Ich freute mich auf meine Familie und Freunde, darauf meine Geschichten zu erzählen und wieder zu Hause zu sein. Die ersten Tage bei meiner Familie verflogen und ich nahm sie eher unbewusst wahr. Irgendwie war alles vertraut und doch fühlte es sich fremd an.

Ich sah die Welt nun mit ganz anderen Augen und ein normaler Einkauf wurde bereits zur Herausforderung. Ich erinnere mich gut daran, wie ich nach meiner Reise zum ersten Mal in einem europäischen Supermarkt ging: Artikel über Artikel, viel zu viel Auswahl und ich total überfordert. Ich stand vor dem Regal mit den vielen verschiedenen Sorten an Tomatensoße. Auf einem Schlag wurde mir bewusst welch übertriebenes Konsumverhalten wir haben. In den letzten Monaten habe ich mich daran gewöhnt bei Straßenständen einzukaufen oder in Supermärkten, wo es nur eine Sorte Tomatensoße gab, wenn es überhaupt eine gab. Und nun stand ich da und hatte eine viel zu große Auswahl an Tomatensoße!

Ich hätte mir nie gedacht, dass mich mal eine Tomatensoße zum Weinen bringt – doch das tat sie. Ich musste weinen, weil ich wusste, wie wenig die Menschen am anderen Ende der Welt hatten und in welchen Überfluss wir hier leben. Plötzlich fühlte ich mich machtlos und irgendwie schuldig. Wir haben so viel und andere so wenig. Ich habe mir in Asien versprochen meinen Lebensstil zu ändern und so wenig wie möglich Schaden auf dieser Welt anzurichten – ich wollte aus Dankbarkeit für unseren Wohlstand einen Beitrag leisten.

Die Rückkehr war der härteste Teil der Reise…

Schnell wurde mir klar, dass das nicht so einfach wird. Und das war es auch nicht. Die Wochen vergingen und ich war wieder mittendrin im westlichen Chaos. Der Alltag hatte mich schneller in seinen Bann gezogen als mir lieb war. Ich sah keinen Ausweg. Die Reise hat mich geprägt, sie hat mein Sein verändert und dieses Sein konnte ich hier in meiner Heimat anfangs nicht ausleben. Es gab nicht wirklich einen Platz dafür. Ich spürte, dass sich hier etwas verändert hat. Doch es war nicht mein Umfeld, das jetzt anders war – nein – es war ich, die sich verändert hat. Der Kulturschock, den ich bei meiner Ankunft in Asien hatte, traf mich jetzt doppelt! Mein Zuhause war eine Welt, mit der ich nicht mehr zurechtkam. Ich verstand nicht, warum viele Menschen hier so unzufrieden sind, obwohl es Ihnen an nichts fehlt, wieso sie nicht lächeln, wenn man sich auf der Straße kreuzt. Ich verstand nicht, warum wir so rücksichtslos Dinge konsumieren, die wir nicht brauchen und warum wir nicht offen sind für Menschen aus anderen Ländern, wobei man von Ihnen doch so viel lernen könnte.

Auch ich war „wieder da und doch nicht hier“.

Es dauerte eine lange Zeit, bis ich mental wieder angekommen war und das Erlebte verarbeiten konnte. Es dauerte seine Zeit, bis ich mein neues Sein, meine neuen Ansichten und Werte in meine Lebenswelt intergieren konnte. Die Rückkehr dauerte nicht einen Tag oder zwei, auch nicht Wochen oder Monate, sondern Jahre! Jetzt nach vier Jahren kann ich sagen, dass ich wieder hier bin. Ich habe mich verändert, mich weiterentwickelt und mein wahres Sein gefunden. Es war nicht immer einfach – Freundschaften und Beziehungen sind zerbrochen und neue durften entstehen. Die Reise hat mich geprägt und ich kann immer noch so viel Kraft daraus schöpfen und bin unglaublich dankbar diese Erfahrung gemacht zu haben. Das Aufbrechen war mutig und die Rückkehr schwierig, doch ich möchte keine Sekunde davon missen. Ich bin unglaublich dankbar und glücklich, heute der Mensch zu sein, der ich dadurch geworden bin. 

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.